Liebe Leserinnen und Leser,

zukünftig findet Ihr hier die Tageslosung und am Montag jeweils ein "Wort für die Woche" aus unserer Gemeinde.

Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns treu bleibt.

Gutes Wort zum 23.05.2022

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft

noch seine Güte von mir wendet.

                                            Ps 66,20

 

Liebe Gemeinde,

 

wir gehen in die sechste Woche nach Ostern. Nach dem Sonntag „Rogate“. D.h. zu deutsch „Betet“ ! Wir beten als christliche Gemeinde,

weil wir uns im Angesicht Gottes bewusst werden wollen, wie wir in einer    zunehmend chaotischen Welt, in einer Welt, die in einer schweren Krise ist, überleben können.

 

Es ist eine „Zeitenwende“, die wir noch nicht voll erfasst haben. Die wir aber meistern müssen, damit die Menschheit sich nicht selbst ruiniert. In aller aufgeregten Stimmung können wir nicht alles auf einmal lösen. Wir müssen die Übersicht behalten, was zuerst zu tun ist, und welche weiteren Schritte zu unternehmen sind.

 

Dazu bedarf es der Konzentration und der Einkehr, damit wir nicht einem falschen „Messias“ auf den Leim gehen. Wer ist am Wohl der Gemeinschaft in Staat und Kirche orientiert, und wer will sich sich nur persönlich profilieren.

 

Auch der von den Evangelien als „vollmächtig“ geschilderte Jesus stieg häufiger „auf einen Berg, um zu beten“. (Mt 14, 23 u. ö.) Die Ruhe und Abgeschiedenheit im Gebet lässt uns Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Das bringt Klarheit und Übersicht, oder wie die Evangelien schreiben, „Vollmacht“.

 

Ich beobachte, dass einige Menschen lieber beten lassen, als dass sie selbst beten. Das führt nicht in die Freiheit eines Christenmenschen, das führt in die Unselbständigkeit. Denn dann delegiert man Glauben an Andere. Man macht sich bewusstseinsmäßig abhängig. Das ehrliche, redliche Gebet mit Gott, zeigt mir meine Schwächen auf und ist so eine Hilfestellung zur angemessenen Wirklichkeitsbewältigung. Wir wagen es im Angesicht Gottes uns realistisch zu betrachten und unsere Selbstverwirklichung im Horizont der Mitmenschen und ihrer Anliegen zu bedenken. Das führt zur Bescheidenheit. „Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?“, schreibt Paulus im 9. Kapitel des Römerbriefes. Die Bewusstwerdung der eigenen „Beschränkung“ im Angesicht Gottes, macht innerweltlich bescheiden und demütig. Deshalb braucht diese Welt so sehr sich vor Gott demütig relativierende Beterinnen und Beter! „Arrogante“ = „Nichtbetende“ verabsolutieren sich selbst ohne die Bereitschaft, sich von Gott relativieren zu lassen und werden „schwer genießbare“ Menschen für ihre Umwelt. Ich denke, ich brauche dazu keine Namen in diesen Zeiten aufzuführen.

 

Um so mehr ist es angezeigt, dass betende Menschen sich von Gott zurücknehmen lassen und frei werden von absolutistischen Selbstverwirklichungsansprüchen „wie die Kinder“ (Mt 18,3). Es geht nicht um „Demütigung“ des postmodernen Menschen, wohl aber um Erneuerung, „als ob es Gott gebe“.

 

Diese Erfahrung des Gebetes entlastet und macht den Blick frei für meine „bescheidenen“ Beiträge zur Erneuerung der Welt, indem ich nicht meine Überlegenheit „poste“, sondern meine Demut vor Gott zum Wohl meiner Mitmenschen pflege und so ein „genießbarer“ Mensch für meine Umwelt werde.

 

In diesen turbulenten Zeiten wünsche ich uns zum Wohl aller wieder mehr „genießbare“ Menschen, die durch ihr Reden und Handeln unter Beweis stellen, dass sie sich und ihr Werk vor Gott verantworten.

 

 

Hagen-Hohenlimburg, den 20. Mai 2022             Johannes Bevers, Pfr.

 

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Gutes Wort zum 03.01.2022